Die wissenschaftsbasierte Nutzung von GPS-Daten im Profifußball: Relevanz, Orientierungswerte und praktische Empfehlungen

Zusammenfassung Die Nutzung von GPS-Daten ist heutzutage fester Bestandteil der Arbeit von Athletiktrainer*innen und Datenanalyst*innen im professionellen Frauen- und Männerfußball. Trainer*innen sollten auf GPS-Systeme mit vergleichsweise hoher Dateneinzugsfrequenz (18Hz) zurückgreifen, um kurze Sprintstrecken mit schnellen Richtungswechseln valide abbilden zu können. Eine hohe trainingspraktische Relevanz für die sportliche Leistung und die Verletzungsprävention haben die GPS-Parameter absolute Laufdistanz, Anzahl der Maximalsprints, Beschleunigungen, Abbremsbewegungen sowie Laufdistanz im Geschwindigkeits- und Hochgeschwindigkeitsbereich. Auf Grundlage trainingspraktisch relevanter GPS-Parameter besteht die zentrale Herausforderung darin, das komplexe Zusammenspiel von Trainingsbelastung und -beanspruchung zu erfassen und daraus geeignete Ableitungen für die kurz-(Mikrozyklus), mittel- (Mesozyklus) und langfristige (Makrozyklus) Trainingssteuerung zu treffen. Zukünftig können KI-Methoden diesen Prozess unterstützen, indem sie große Datenmengen effizient auswerten und Muster in der Belastungssteuerung sichtbar machen. Erste Studien liefern vielversprechende Hinweise. Allerdings muss gerade für den hochindividualisierten Profifußball geprüft werden, ob bestehende Lernalgorithmen, die durch die Daten eines Teams zustande gekommen sind, auch auf andere Teams übertragen werden können. Im vorliegenden Beitrag werden literaturbasierte Empfehlungen zur Nutzung von GPS-Daten (z.B. beschleunigungsbasierte Parameter) für die Gestaltung von Makro-, Meso- und Mikrozyklen präsentiert. Grundsätzlich sollte der Einsatz von GPS-Daten kontextualisiert erfolgen, sodass sie Trainer*innen als Orientierungshilfe dienen, ohne zu starren Zielgrößen der Trainings- und Belastungssteuerung im Fußball zu werden. Praktisch bedeutsam ist zudem die Weiterentwicklung von Modellen, die ein erhöhtes Verletzungsrisiko in spezifischen Saisonphasen vorhersagen können. Während bestehende Ansätze wie das Acute:Chronic Workload Ratio (ACWR) erste Orientierung bieten, sind ihre methodischen Grenzen offensichtlich. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf, um zuverlässige und anwendungsnahe Instrumente für die Trainingssteuerung im Profifußball bereitzustellen. Darüber hinaus sollten für die individualisierte Trainingssteuerung neben den objektiven GPS-Daten auch subjektive Anstrengungsskalen zum Einsatz kommen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten
Veröffentlicht in:Sportverletzung Sportschaden
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2026
Jahrgang:40
Heft:1
Seiten:32-46
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch