Trainingswissenschaft und Psychologie
Bei der Durchsicht trainingsorientierter Fachliteratur fällt auf, daß die Unterscheidung zwischen Trainingswissenschaft einerseits und Trainingslehre andererseits zwar betont wird (insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Unterscheidung von Theorie und Praxis), vergleicht man jedoch die Definitionen beider Begriffe, dann erscheinen die Übereinstimmungen überaus groß (vgl. etwa RÖTHIG 1972; JONATH 1988; MARTIN / CARL / LEHNERTZ 1991, 17). Die Unterscheidung zwischen Trainingswissenschaft und Trainingslehre wird daher als als wenig stichhaltig betrachtet, sie erscheint eher historisch bedingt und für die heutige Zeit nicht mehr von Bedeutung. Für die Trainingswissenschaft sind offensichtlich verschiedene Disziplinen verantwortlich, insbesondere die Sportmedizin, Biomechanik, Sportpädagogik, Sportpsychologie, Sportsoziologie sowie die Sensomotorik (Aufzählung nach RÖTHIG 1972, S. 242). Diese beteiligten Disziplinen sind naturgemäß mit unterschiedlichen Gewichtungen an der Trainingswissenschaft beteiligt. Hier interessiert der Beitrag der Psychologie.
Um eine erste Annäherung über die Bedeutung der Psychologie im Rahmen der Trainingswissenschaft zu erhalten, wurde in den letzten zwanzig Jahrgängen der "Lehre der
Leichtathletik" (diese Beilage der "Leichtathletik" wird als ein Vertreter der Trainingslehre angesehen) mit der Literaturdatenbank PSYCHOMOTORIK (ZIMMERMANN 1990) eine
Recherche durchgeführt: "Psychologiekritische" Stichworte ("mental", "seelisch" und "psychisch" usw.) treten in den Titeln der ca. 1900 Veröffentlichungen 16mal auf, das ist weniger
als 1%. Diese Prozentzahl ist niedrig, sie ändert sich auch kaum durch Hinzunahme weiterer psychologie-kritischer Stichworte.
Überblicken wir jedoch Arbeiten, die sich mit der menschlichen Bewegung beschäftigen, so zeigt sich, daß Psychologie, Sportpsychologie und Psychomotorik eine umfangreiche
Kollektion von Ergebnissen aufweisen, die innerhalb der Trainingswissenschaft entweder gar nicht, nur sporadisch oder nicht systematisch berücksichtigt werden und
publikationsmäßig häufig auf "Nebenschauplätzen" plaziert sind. Es wird im folgenden - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - versucht, solche jüngere und ältere Forschungsergebnisse
darzustellen, die einen exemplarischen Beitrag der (Sport)Psychologie darstellen, den in die Trainingswissenschaft zu integrieren sich lohnen würde. Dabei wird ein Begriff von
Trainingswissenschaft zugrunde gelegt, der nicht nur auf den Leistungs- bzw. Spitzensport abgehoben ist, sondern sich auch auf Themen zu beziehen hat, die noch nicht, nicht nur
oder nicht mehr dem Leistungsprinzip dienen (etwa Vorschulzeit, Schulzeit, Reha-Bereich usw. ),
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Dokumentenarten: | elektronische Publikation |
| Level: | hoch |